Schritt 9: Android Market aka Google Play
Der Android Market heißt seit neuestem “Google Play Store” und ist momentan eines der wenigen verbliebenen Programme, die mich tagtäglich noch im wahrsten Sinne des Wortes mit Google verbinden. Obwohl man ein Android-Telefon theoretisch auch ohne Market betreiben kann, ist er doch scheinbar zwangsläufig mit dem Gerät verknüpft. Heute teste ich also diese theoretische Möglichkeit aus, ein Android-Telefon ohne “Google Play Store” zu betreiben.

Der Market ist die Stelle, an der man neue Software (“Apps”) für’s Smartphone bekommt, auf Knopfdruck, mit Sternchen-Bewertungen anderer Nutzer und schön sortiert nach Kategorien, Top-Apps und “kostenpflichtig” oder “kostenfrei”. Aber man kann ihn nicht nur auf dem Telefon besuchen, sondern selbstverständlich auch im Web unter https://play.google.com/store. Das war für mich eine ganz schön erschreckende Erfahrung, denn unter “Meine Android-Apps” bekommt man da zwar wie erwartet eine Liste aller seiner installierten Apps angezeigt – etwas unerwartet allerdings nicht die aktuell installierten, sondern eine Liste aller jemals installierten Market-Apps. Aus der Liste löschen kann man die nicht, und Google stellt auf der entsprechenden Seite des Support-Systems lapidar fest: “Bereits heruntergeladene Apps können nicht von play.google.com entfernt werden.” Aha.
Ich könnte jetzt etwas weiter ausholen und erläutern, warum ich schon die Idee an sich komisch finde, einem zentralen Archiv die Entscheidungsgewalt darüber zu überlassen, welche Programme auf einem Gerät laufen dürfen und welche nicht. Dann müsste ich auf Apple’s “App Store” schimpfen und Android zumindest dafür loben, dass man per einfachem Klick auch den Betrieb Market-fremder Software erlauben kann. Sicher käme ich dann aber auch nicht um eine Erklärung herum, warum ich grundsätzlich skeptisch bin gegenüber Software, deren Quellcode nicht offen einsehbar ist, und die daher zwangsläufig als undurchschaubare “Black Box” ausgeliefert wird, insbesondere auf einem ständigen Begleiter wie dem Telefon. Das lasse ich besser, denn es würde weit über das hier erklärte “GoogleFreeMe”-Ziel hinaus schießen. Allein die Erwähnung erklärt aber, warum ich den Android-Markt sicher kaum vermissen werde: neben den vorinstallierten Google-Anwendungen finden sich auf meinem Telefon nur noch sehr wenige dieser unfreien Apps, darunter Adobe’s Flash Player, Dropbox oder Öffi. Und für die gibt es ja auch andere Download-Quellen.
Mal wieder finde ich es aber natürlich viel interessanter, eine echte Alternative zum “Play Store” zu finden, statt einfach Google’s Pest durch AndroidPIT‘s, SlideME‘s oder Amazon‘s Cholera zu ersetzen. Und eine solche echte Alternative gibt es tatsächlich: F-Droid.
F-Droid ist letztlich auch eine etwas abgespeckte Market-App, mit deren Hilfe man vorkompilierte Progrämmchen aus einem zentralen Archiv auf sein Telefon befördern kann. Das besondere daran und der zentrale Unterschied zu anderen Markets ist jedoch der Fokus auf freie Software. Ein ganzes großes Archiv von quelloffener Android-Software an einer Stelle! Und für jede App wird angegeben, unter welcher Lizenz sie vertrieben wird, ein feature auf das ich in Google’s Android-Market bis zuletzt vergeblich gewartet habe. Darüber hinaus lässt sich mit einfachen Einstellungs-Häkchen festlegen, ob man auch Apps mit Werbung angeboten bekommen möchte, Apps die das Nutzerverhalten tracken, unfreie Add-Ons bereitstellen oder sich mit unfreien Netzwerken verbinden.
Zwar fehlt der “Community-Charakter”, man kann keine Sternchen oder Kommentare vergeben, und damit auch keine “Top-Seller-Listen” angucken, aber immerhin wird man über Updates seiner installierten Apps auf dem laufenden gehalten. Und mein persönliches Killerfeature ist die Möglichkeit, andere Archive einfach per URL dazu zu schalten. Damit hat man dann sowas wie Ubuntu’s Fremdquellen oder Gentoo’s overlays in der Smartphone-Welt. Ich bin begeistert.
tl;dr Ganz ohne weinendes Auge fliegt also Google’s schicker neuer “Play Store” von meinem Telefon und ich mache einen großen Schritt nach vorn in Richtung eines gänzlich Google-freien Android-Handys.






