GoogleFreeMe

You can lead a life without using Google.

Schritt 9: Android Market aka Google Play

Der Android Market heißt seit neuestem „Google Play Store“ und ist momentan eines der wenigen verbliebenen Programme, die mich tagtäglich noch im wahrsten Sinne des Wortes mit Google verbinden. Obwohl man ein Android-Telefon theoretisch auch ohne Market betreiben kann, ist er doch scheinbar zwangsläufig mit dem Gerät verknüpft. Heute teste ich also diese theoretische Möglichkeit aus, ein Android-Telefon ohne „Google Play Store“ zu betreiben.

Der Market ist die Stelle, an der man neue Software („Apps“) für’s Smartphone bekommt, auf Knopfdruck, mit Sternchen-Bewertungen anderer Nutzer und schön sortiert nach Kategorien, Top-Apps und „kostenpflichtig“ oder „kostenfrei“. Aber man kann ihn nicht nur auf dem Telefon besuchen, sondern selbstverständlich auch im Web unter https://play.google.com/store. Das war für mich eine ganz schön erschreckende Erfahrung, denn unter „Meine Android-Apps“ bekommt man da zwar wie erwartet eine Liste aller seiner installierten Apps angezeigt – etwas unerwartet allerdings nicht die aktuell installierten, sondern eine Liste aller jemals installierten Market-Apps. Aus der Liste löschen kann man die nicht, und Google stellt auf der entsprechenden Seite des Support-Systems lapidar fest: „Bereits heruntergeladene Apps können nicht von play.google.com entfernt werden.“ Aha.

Ich könnte jetzt etwas weiter ausholen und erläutern, warum ich schon die Idee an sich komisch finde, einem zentralen Archiv die Entscheidungsgewalt darüber zu überlassen, welche Programme auf einem Gerät laufen dürfen und welche nicht. Dann müsste ich auf Apple’s „App Store“ schimpfen und Android zumindest dafür loben, dass man per einfachem Klick auch den Betrieb Market-fremder Software erlauben kann. Sicher käme ich dann aber auch nicht um eine Erklärung herum, warum ich grundsätzlich skeptisch bin gegenüber Software, deren Quellcode nicht offen einsehbar ist, und die daher zwangsläufig als undurchschaubare „Black Box“ ausgeliefert wird, insbesondere auf einem ständigen Begleiter wie dem Telefon. Das lasse ich besser, denn es würde weit über das hier erklärte „GoogleFreeMe“-Ziel hinaus schießen. Allein die Erwähnung erklärt aber, warum ich den Android-Markt sicher kaum vermissen werde: neben den vorinstallierten Google-Anwendungen finden sich auf meinem Telefon nur noch sehr wenige dieser unfreien Apps, darunter Adobe’s Flash Player, Dropbox oder Öffi. Und für die gibt es ja auch andere Download-Quellen.

Mal wieder finde ich es aber natürlich viel interessanter, eine echte Alternative zum „Play Store“ zu finden, statt einfach Google’s Pest durch AndroidPIT’s, SlideME’s oder Amazon’s Cholera zu ersetzen. Und eine solche echte Alternative gibt es tatsächlich: F-Droid.

F-Droid ist letztlich auch eine etwas abgespeckte Market-App, mit deren Hilfe man vorkompilierte Progrämmchen aus einem zentralen Archiv auf sein Telefon befördern kann. Das besondere daran und der zentrale Unterschied zu anderen Markets ist jedoch der Fokus auf freie Software. Ein ganzes großes Archiv von quelloffener Android-Software an einer Stelle! Und für jede App wird angegeben, unter welcher Lizenz sie vertrieben wird, ein feature auf das ich in Google’s Android-Market bis zuletzt vergeblich gewartet habe. Darüber hinaus lässt sich mit einfachen Einstellungs-Häkchen festlegen, ob man auch Apps mit Werbung angeboten bekommen möchte, Apps die das Nutzerverhalten tracken, unfreie Add-Ons bereitstellen oder sich mit unfreien Netzwerken verbinden.

Zwar fehlt der „Community-Charakter“, man kann keine Sternchen oder Kommentare vergeben, und damit auch keine „Top-Seller-Listen“ angucken, aber immerhin wird man über Updates seiner installierten Apps auf dem laufenden gehalten. Und mein persönliches Killerfeature ist die Möglichkeit, andere Archive einfach per URL dazu zu schalten. Damit hat man dann sowas wie Ubuntu’s Fremdquellen oder Gentoo’s overlays in der Smartphone-Welt. Ich bin begeistert.

tl;dr Ganz ohne weinendes Auge fliegt also Google’s schicker neuer „Play Store“ von meinem Telefon und ich mache einen großen Schritt nach vorn in Richtung eines gänzlich Google-freien Android-Handys.

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Schritt 8: Google+ und Google-Profil

Jetzt war’s ja ne Weile ruhig hier. Und um den Tatsachen etwas gerechter zu werden, heißen die Artikel ab jetzt auch „Schritt 8, 9, 10“ usw. – das setzt mich dann auch nicht so sehr unter Druck.

Der 1. März ist also gekommen, mit ihm die neuen Google-Datenschutzbestimmungen und was soll ich sagen – zumindest auf dem PC benutze ich mein Google-Konto tatsächlich nahezu gar nicht mehr. Die wichtigsten, alltäglichen Dienste (E-Mail, Reader, Kalender, Chat) habe ich ja sehr erfolgreich ersetzt, jetzt geht es also langsam ans Eingemachte und an die Details, vor allem auf dem Android-Smartphone.

Vorher aber heute noch die kurze Meldung, dass ich verbunden mit dem gefühlten Google-Ausstieg zum 1. März tatsächlich über 18.000 E-Mails der letzten 7 Jahre bei GMail und natürlich auch das Profil von Google+ gelöscht habe. Das hat gar nicht weh getan.

Besonders aktiv war ich in Googles sozialem Netzwerk ja nie, also steht auch nicht der Kontakt zu hunderten von Freunden auf dem Spiel, da ist die passende Alternative ganz schnell gefunden: Diaspora*. Leserin Lydia hatte es ganz am Anfang meines Experimentes ja schonmal in einem Kommentar angefragt, und natürlich habe ich ein Diaspora*-Konto, auch schon länger: winstonsmith@pod.geraspora.de Wer mir also dort folgen möchte – nur zu, ich folge zurück!

Drei Worte möchte ich dann auch gern noch zum Prinzip Diaspora* verlieren. Es verfolgt im Ansatz nämlich all die Ansprüche, die ich an ein soziales Netzwerk stellen würde, und die man sich am ehesten verdeutlichen kann, wenn man es mit E-Mail vergleicht.

  1. Dezentralität – für Ausfallsicherheit und Datenschutz.
  2. Kompatibilität – damit man als Nutzer des einen Anbieters auch die Nutzer aller anderen Anbieter erreichen kann.
  3. Offenheit – für alle, die gern ihren eigenen Server betreiben möchten.

Das alles funktioniert schon ganz wunderbar, die Benutzeroberfläche ist aufgeräumt, der Umgang mit „Aspekten“, die Google+ übernommen und „Kreise“ genannt hat ist einem inzwischen ja recht vertraut, und eine hübsche kleine Android-App gibt’s auch schon. Technisch alles super, sozial gesehen fehlen einfach nur noch die Leute.

Tag 7: Google Kalender und Kontakte

Jetzt wird’s also ernst. Der Kalender und die Kontakte sind ja sowas wie das Herzstück des Computers (oder Telefons) als Kommunikationsgerät. Und ums Kommunizieren dreht sich unser Umgang mit Google ja häufig, sei es am Rechner oder am Smartphone.

Und ich gebe auch gern offen zu: Google’s Kalender und Kontakte durch eine sinnvolle Alternative zu ersetzen, hatte ich mir deutlich leichter vorgestellt. Aber die paar Tage Pause seit dem letzten Beitrag habe ich tatsächlich gebraucht um eine vernünftige Lösung zu finden.

Anders als bei vielen Internet-Standards wie e-mail, chat oder RSS gibt es nämlich offensichtlich weder für die Verwaltung von Adressbüchern noch für die Kalenderfunktion einen gemeinsamen, von allen anerkannten Standard. Es sieht so aus, als wären diese zwei Funktionen jedem einzelnen Anbieter solcher Software dermaßen wichtig, dass die alle unbedingt ihr eigenes Format implementieren müssen. Und für Android-Nutzer heißt das nunmal: Google Kalender und Google Kontakte. Ein bisschen hatte ich gehofft, dass ich stattdessen einfach den Organizer und das Adressbuch von GMX nutzen kann, aber die Android-App fürs GMX-Adressbuch ist extrem unschön, die Kontakte nur les- und nicht veränderbar und die Termine bekommt man überhaupt nicht synchronisiert.

Ein anderes sehr bekanntes Format ist Microsoft’s Exchange. Damit kommt das Android-Handy von Hause aus auch erstaunlich gut zurecht, eine Erfahrung die ich dank Windows-Administrator auf der Arbeit machen darf. Aber zum einen habe ich natürlich keine Lust, die Google-Pest mit einer Microsoft-Cholera z.B. mittels hotmail-Account zu ersetzen und zum anderen scheint es mir auch ein bisschen overkill zu sein, nur für die Verwaltung von ein paar Kontakten und Terminen meinen eigenen Exchange-Server aufzusetzen.

Und natürlich gibt es freie, server-basierte Alternativen zu Google und Exchange: CalDav und CardDav heißen die, letzteres kennt noch nicht einmal die deutsche Wikipedia. Und nicht nur, dass sich im Internet keinerlei Anbieter von CalDAV- und CardDav-basierten Diensten finden – es gibt auch nur sehr begrenzt freie Umsetzungen dieses Standards für Android. Wozu auch? Benutzt ja jeder Google oder Exchange. Und während man seine Kontakte auf einem Android-Telefon zwar auch „nur lokal“ speichern kann, ohne sie zu irgend einem Internet-Dienst hochzuladen, gilt das für den vom System mitgebrachten Kalender nicht. Der braucht immer einen Server-Dienst im Hintergrund. Und eine eigene Kalender-App zu installieren, nur um künftig auf den Genuss der Internet-Synchronisation verzichten zu dürfen, das fände ich auch doof.

Also, die Ausgangslage war deutlich hoffnungsloser als ich mir das vorgestellt hatte und als Lösung entpuppte sich plötzlich und unerwartet eine freie Software, von der ich zwar schon vor Jahren mal gehört hatte, die ich aber für längst veraltet gehalten habe und daher ganz bestimmt meiden wollte: Funambol.

Anders als GMX, Google, Hotmail und wie sie alle heißen, verzichtet Funambol auf den Anspruch, eine eigene Kommunikationszentrale zu sein. Funambol ist ein Synchronisationsdienst. Unter funambol.com gibt es einen frei nutzbaren Server, dessen Hauptaufgabe es ist, Kontakte, Termine, Notizen und sogar Dateien in einer Datenbank zu speichern um diese dann als Sternverteiler all den Geräten, Programmen und Diensten anzubieten, auf denen man sie gern nutzen möchte. Es gibt also nicht nur zugehörige Android- und iPhone-Apps, sondern darüber hinaus auch zahlreiche plattformübergreifende Konnektoren für Outlook, Thunderbird und Co. sowie für Internet-Dienste wie GoogleMail oder Yahoo.

Also: statt im Netz ein fremdes Kommunikationsportal direkt zur Verwaltung von Kontakten und Terminen zu nutzen oder sogar meinen eigenen Exchange-Server zu betreiben, bin ich zurück bei der eher traditionellen Lösung, unterschiedliche Programme und Geräte zu nutzen und diese jeweils alle miteinander zu synchronisieren. Funambol nimmt also die Änderungen von allen Beteiligten entgegen und alle anderen holen sich da regelmäßig die Aktualisierungen ab. Ob mich diese Lösung wirklich dauerhaft überzeugen wird, oder sich nicht doch irgendwann ein Anbieter hervortut, der es mal ernsthaft mit nem freien Standard wie CalDAV und CardDAV versucht (Ubuntu One – wie wär’s?) wird sich zeigen.

tl;dr Erstmal bin ich glücklich, dass meine lange Suche ein erfolgreiches Ende gefunden hat und ich 250 neue, alte oder wiederkehrende Termine und über 500 Kontaktadressen vom Google-Server löschen konnte, ohne auf dem Android-Handy künftig drauf verzichten zu müssen.

Tag 6: Picasa Webalben

Der letzte Tag, an dem ich den Google Reader ersetzt habe, war ja ganz schön aufregend. Vor allem natürlich deshalb, weil ich zum ersten mal ausprobiert habe, ob man einen dieser sinnvollen Google-Dienste auch durch eine Stück selbst-gehostete freie Software ersetzen kann. Und das hat ja dann so gut geklappt, dass ich finde es ist jetzt mal an der Zeit übermütig zu werden: die Picasa Webalben suchen nach einer Alternative.

Nun bin ich zum Glück nicht nur kein ernsthafter Blogger, sondern dazu auch noch kein ernsthafter Fotograf. Mein Geknipse beschränkt sich im wesentlichen auf Handy-Schnappschüsse und immer mal wieder ein paar Urlaubsbilder. Hierfür fand ich die Picasa-Software immer schon praktisch, weil man schnell und einfach ein paar Bearbeitungsschritte durchklicken kann und die Fotos danach ganz easy ins Internetz hochladen und damit anderen zugänglich machen konnte.

Noch viel praktischer fand ich allerdings die Integration der Picasa-Webalben auf dem Android-Telefon. Da haben sich die Entwickler ja tatsächlich alle Mühe gegeben, die Grenzen zwischen offline und online so weit wie möglich zu verwischen. Nur anhand eines kleinen grauen Symbols sieht man Fotoalben in der Android-Gallerie überhaupt noch an, dass sie gar nicht auf dem Handy sondern auf Google-Servern gespeichert sind. Und leider kann man natürlich nicht mal eben eine andere Online-Gallerie als Ersatz für Picasa einstellen.

Aber es geht mir ja auch überhaupt nicht darum, statt des Google-Foto-Dienstes Picasa jetzt mal kurz auf den Yahoo-Foto-Dienst flickr unzusteigen oder so, das wäre etwas langweilig und im Ansatz kein Stück besser. Stattdessen schaue ich mich gründlich in den Weiten des Internets um und stoße auf Dinge wie das recht viel versprechende „Open Photo“-Projekt, das leider noch keine Android-App vorweisen kann, oder piwigo, an dessen Android-Integration ich selbst scheitere, bevor ich bei sowas wie dem „Klassiker“ ankomme: der freien, web-basierten Fotoalben-Software Gallery.

Die ist auf meinem Ubuntu-Kistchen sogar mit der Auswahl meiner Lieblingsdatenbank innerhalb weniger Minuten installiert und läuft jetzt parallel zum „Tiny Tiny RSS“-Reader. Sie bietet beinahe unübersichtlich viele Funktionen zur Online-Verwaltung meiner Digitalfotos, auch wenn die Version 2, deren vorgefertigtes Ubuntu-Paket ich aus Bequemlichkeit gewählt habe, in der Bedienung eher ans web 1.0 als an die Picasa Webalben erinnert. Aber sie tut was sie soll, und zwar durchaus solide.

Zum ersten mal komme ich jetzt auch in den Genuss von Google’s Takeout-Dienst, um mir ein knapp 300MB großes zip-Archiv meiner gut 500 Picasa-Bilder herunterzuladen. Die sind auch ganz fix in meine neue hauseigene Gallerie importiert, woraufhin sich bei mir plötzlich und unverhofft das wohlige Gefühl einstellt, wieder Herr über meine eigenen Fotos zu sein. Noch befreiter fühle ich mich 10 weitere Minuten später, nachdem ich die soeben geretten Picasa-Webalben von den Google-Servern direkt ins digitale Nirvana befördert habe. Uff.

Auch die Android-Gallerie merkt diesen Verlust sofort und zeigt mir nur noch die auf dem Handy gespeicherten Bilder an. Und auch wenn ich künftig auf deren tolle online-offline-Integration verzichten muss, gibt es natürlich auch für Gallery eine eigene, freie Android-App namens „ReGal Android“, so dass ich meine Online-Alben wie gehabt auch unterwegs immer dabei habe.

Alles in allem ist der Schritt mittels Gallery auf Picasa zu verzichten wohl derzeit noch ganz schön gewagt, vor allem wegen der noch nicht ganz ausgereiften Android-Unterstützung. Auch hatte ich bisher keine ausführliche Gelegenheit „f-spot“ zu testen, eine freie Linux-Fotoverwaltung, die auf den ersten Blick ganz vielversprechend aussieht und sich sicher auch recht unkompliziert mit meiner neuen „Gallery“ verknüpfen lässt.

tl;dr Perfekt ist sie also noch nicht, als „proof-of-concept“ eines Picasa-Ersatzes kann meine kombinierte Lösung aus „Gallery„, „ReGal Android“-App und freier Bildverwaltung Software „f-spot“ aber ohne weiteres herhalten.

Tag 5: Google Reader

Heute bin ich ganz aufgeregt. Der Google Reader ist nach Google Mail so ziemlich das nützlichste und von mir am häufigsten genutzte Google-Tool.

Der Reader ist ein sogenannter Feed-Aggregator (auch „Feedreader“ genannt), mit dem man Nachrichten-Ströme im RSS-Format abonnieren kann, um sich über Updates bestimmter Webseiten, Blogs oder auch Audio- und Video-Podcasts auf dem laufenden zu halten. Das funktioniert so ähnlich wie eine gut sortierte Email-Inbox, nur für Nachrichten und Blog-Beiträge. Und ähnlich wie bei Email kann man dafür eigene Programme auf seinem Rechner installieren, oder eine Online-Variante von Google nutzen. Die Online-Variante hat wie immer den einen großen Vorteil, dass alles „in the cloud“ ist und man zu Hause keine Artikel als „neu“ angezeigt bekommt, die man im Büro schon gelesen hat. Und sie hat wie so oft den zweiten großen Vorteil, dass es eine schicke Handy-App dazu gibt. Wie üblich betont Google zwar nicht so sehr welchen großen Vorteil sie selbst davon haben, aber wir wissen es: „Sage mir was Du liest, und ich sage Dir welche Werbung Du klickst.“

Meine Damen und Herren, voller Stolz präsentiere ich ihnen heute die Alternative: Tiny Tiny RSS. Ich hatte ja keine Ahnung. Hätte ich davon schon früher gewusst – vielleicht wäre ich gar nicht erst so ein großer Google-Freund geworden!

Tiny Tiny RSS ist genau das, was ich gerade beschrieben habe: ein Online Feedreader, und zwar freie Software und explizit für den Hausgebrauch gedacht. Man kann sich bei online.tt-rss.org auch einen Account geben lassen, aber ich will jetzt endlich mal etwas Spaß haben mit meinem Experiment und entscheide mich für eine eigene Installation auf meinem per DynDNS erreichbaren Mini-Heimserver.

Das ist deutlich weniger kompliziert als es klingt: die kleine, stromsparende Eee-Box läuft als File- und Musik-Server ohnehin ununterbrochen, da kann auch noch ein Webserver mit dazu. Die Installation ist selbst inklusive Datenbank unter Linux schnell gemacht, die Portweiterleitung auf dem Router ganz fix eingestellt und nach nichtmal einer Stunde läuft meine kleine Nachrichtenzentrale, von überall aus dem Internet erreichbar.

Jetzt aber geht der eigentliche Spaß erst los: unter den Reader-Einstellungen erlaubt mir Google, die nicht gerade kurze Liste meiner Blogs und Nachrichtenseiten in eine OPML-Datei zu exportieren und fünf Minuten später blättere ich durch die gleiche Liste in meinem neuen Online-Reader auf dem heimischen Webserver. Noch den regelmäßigen Update-Prozess im Hintergrund anstoßen, fertig. Glücklich.

Zu diesem Zeitpunkt habe ich die zugehörige Android-App überhaupt noch nicht auf meinem Handy. Diese stellt sich schnell als mindestens ebenso gut heraus wie ihr Google-Pendant, durch die freie Programmierung und deutlich mehr Konfigurations-Möglichkeiten genau genommen sogar etwas besser.

tl;dr Ich bin hellauf begeistert von meiner ersten hausgemachten Google-Alternative, die Reader-App fliegt im hohen Bogen vom Handy und ich habe das Gefühl, mein Experiment gewinnt jetzt deutlich an Fahrt.

Tag 4: Google Sites

Jetzt, wo ich nicht mehr krank und gelangweilt zu Hause rumliege, schaffe ich es tatsächlich auch nicht mehr jeden Tag etwas neues zu schreiben. Aber das Ziel, ab dem ersten März vollständig auf die Benutzung meines Google-Konto’s verzichten zu können, bleibt.

Im Nachgang zum letzten Beitrag über Blogger bietet es sich aber an, zumindest ganz schnell noch die Google Sites abzufrühstücken, die lassen sich nämlich auch ganz prima durch WordPress ersetzen.

Früher gab es neben Sites auch noch „Google Pages“, die wurden dann irgendwann zusammengeführt. Aber wie sich jetzt herausstellt sind die paar wenigen Experimente, die ich damit vor Jahren mal gestartet habe, alle verjährt. Statt diese also auf noch weitere WordPress-Seiten umzuziehen, brauche ich nur die Inhalte zu retten, bevor sie von den Google-Servern verschwinden sollen. Neben den beutungslosen HTML-Seiten liegen da noch ein paar PDFs und Bild-Dateien rum, und so wirklich wichtig ist das alles nicht mehr. Aber egal, wir Computer-Menschen löschen ja nichts. Erst ärgere ich mich ein bisschen, dass die gesammelten Inhalte sich nicht einfach per Google Takeout als zip-Archiv herunterladen lassen, aber dann bin ich doch ganz schnell versöhnt weil es mich auch nur ein paar wenige Klicks kostet, die Dateien einzeln auf meinen Rechner zu befördern.

tl;dr Ebenso mit wenigen Klicks befördere ich „Meine Websites“ in die Kategorie „Gelöschte Websites“ um sie dann dort „endgültig löschen“ zu können – und bin glücklich.

Tag 3: Blogger

Nachdem ich die Dokumentation dieses Experiments ja zunächst auf tumblr begonnen und mich kurz danach doch noch für die WordPress-Variante hier entschieden habe, bin ich jetzt quasi Experte für kostenfreie Blog-Dienstleister. Dazu kommen noch die Erfahrungen mit dem Google-Blogdienst „Blogger.com“, die ich seit 2006 mit meinem kleinen Blog namens „Leave-it-all-behind“ dort gesammelt habe. Der nächste Schritt ist also klar: Der blog zieht um zu leftitallbehind.wordpress.com

Blogs von einem Anbieter zum anderen umzuziehen scheint keine soo seltene Aufgabe im Web 2.0 zu sein, deswegen bieten zumindest Blogger und WordPress sehr hilfreiche Import- und Export-Funktionen an. Beispielsweise kann ich den gesamten Inhalt in Form einer einzelnen XML-Datei bei Blogger runterladen. Super.

Noch einfacher sieht die Option aus, wordpress.com direkt Zugriff auf mein Blogger-Konto zu gestatten, so dass es sich alle bisherigen Beiträge automatisch runterladen kann. Das klappt auch ganz prima für alle Texte und Kommentare, selbst Daten und Uhrzeiten bleiben sauber erhalten, nur mit den Bildern klappt es leider überhaupt nicht. Es ist schlicht nicht zu erkennen, nach welchen Regeln wordpress.com entscheidet, ob ein Bild in die eigene „Mediathek“ übernommen wird oder nicht. Im Ergebnis landeten etwa die Hälfte aller in meine Blogbeiträge eingebundenen Bilder bei wordpress.com, und die andere liegt nach wie vor auf blogspot.com-Servern rum, worauf mein neuer WordPress-Blog nun also fleißig referenziert. So war das nicht gedacht.

Während ich deutlich zu viel Zeit damit verbringe, Bild-Verweise in alten Blogposts von blogspot.com auf wordpress.com umzuklicken, gelange ich zur Überzeugung, dass man als ernsthafte/r Blogger/in wohl am besten selber hosten sollte. WordPress eignet sich super dafür (da freie Software), aber Gottseidank bin ich ja kein ernsthafter Blogger.

Stattdessen freue ich mich nach ca. 2,5h Geklicke (zum Glück liege ich krank und gelangweilt im Bett…), dass Schritt 3 letztlich auch funktioniert hat, wenngleich auch wieder nur mit etwas Aufwand. Ich schreibe einen letzten Beitrag bei leave-it-all-behind.blogspot.com und schmeiße die Blogger-App von meinem Handy, genutzt hab ich die sowieso nie. Mal sehen – vielleicht wird das mit der recht beeindruckenden freien WordPress-App ja jetzt anders.

tl;dr Einen kompletten Blog vom Google-Dienst „Blogger“ zu wordpress.com umzuziehen funktioniert wahrscheinlich nur dann unproblematisch, wenn man auf Bilder in seinen Beiträgen verzichtet hat.

Tag 2: GoogleTalk

Nachdem das mit GoogleMail so gut funktioniert hat, mache ich doch gleich an einer ganz ähnlichen Stelle weiter: GoogleTalk.

Das ist die in Google’s WebMail eingebaute Chatfunktion, die dankenswerter Weise den freien XMPP-Standard (aka Jabber) nutzt. Dass man die Liste seiner Google-Freunde einfach in jedes beliebige Chat-Programm einbinden kann, fand ich immer schon toll und anders als z.B. Facebook erlaubt Google natürlich auch nicht-Google-Kontakte in seinem Chat.

Mail und Chat gehören ja eng zueinander, und mein alter e-mail-Anbieter GMX, der nach wie vor alle meine mails entgegennimmt und brav weiterleitet (siehe Tag 1), bietet auch einen Online-Chat an, auch mittels XMPP. Wie praktisch! Tatsächlich hat mich immer schon ein bisschen gestört, dass ich für mails zwar nach wie vor die alte GMX-Adresse nutze, für den Chat aber nicht. Das wird jetzt besser.

Ich muss nur meine etwa 25 Chat-Kontakte davon überzeugen, dass sie ab sofort bitte nicht mehr mit meinem Google-Ich, sondern stattdessen mit meinem GMX-Ich chatten sollen. Das klingt komplizierter als es ist, und nach wenigen Minuten sind auch schon die ersten fünf Freunde „umgezogen“ und von der Google-Liste gelöscht. Natürlich ist das ein bisschen Handarbeit, aber erstens freue ich mich über die Gelegenheit jeden einzelnen meiner Chat-Freunde mal wieder zu kontaktieren und zweitens kann ich damit auch gleich mein Experiment persönlich bekannt machen. Werde also in der nächsten Zeit mal die Augen offen halten, wen meiner Google-Freunde ich noch zu einem GMX-Freund machen kann.

Auf dem Computer erfolgt der Umstieg völlig nahtlos, das Chatprogramm meiner Wahl kann natürlich mehrere Jabber-Konten gleichzeitig verwalten, da merke ich gar keinen Unterschied. Auf dem Handy trenne ich mich frohen Herzens von der GoogleTalk-App, auch wenn es sich dabei vermeintlich um eine „System-Applikation“ handelt. Im Wiki des großartigen CyanogenMod steht, wie man sowas macht. Zum Schluss installiere ich noch den freien Jabber-Client „Beem“ und bin glücklich über den erfolgreich gelungenen zweiten Schritt.

tl;dr Dank XMPP und mit kurzem Kontakt zu jedem meiner Chat-Freunde ziehe ich nach und nach alle von GoogleTalk zum GMX-Chat um.

Tag 1: GoogleMail

Natürlich wird die Liste nicht alphabetisch abgearbeitet, deswegen könnte ich ja z.B. damit anfangen meine iGoogle-Seite abzuschalten, oder sowas. Aber ich stelle gern unter Beweis, dass es mir ernst ist und beginne mit e-mail.

GoogleMail bietet aus meiner Sicht vor allem ein fantastisches Web-Interface. Was hab ich mich früher über Menschen gewundert, die web.de oder Hotmail nur aus dem Browser bedient haben – seit GoogleMail mache ich es selbst kaum noch anders. Warum eigentlich? Der gute alte Thunderbird wird seit Jahren immer nur noch besser, und unterwegs hab ich das Smartphone.

Also gut: dank Weiterleitung von meinem 15 Jahre alten GMX-Account kennt ohnehin kaum jemand meine gmail-Adresse, ich brauche einfach nur GMX auf Lavabit umzulenken. Viel Platz und IMAP-Zugang waren meine beiden Kriterien, Lavabit bietet beides. Wenn’s mir gut gefällt werde ich für $8 pro Jahr sogar die Werbung los, klingt fair. Wenn’s mir richtig gut gefällt, bekomme ich für 16$ pro Jahr (also 1€ pro Monat) sogar so viel Platz, dass ich mein GoogleMail-Archiv von 13.500 empfangenen und 2.500 gesendeten Emails der letzten Jahre zu Lavabit umziehen könnte. Das lasse ich vorerst.

Weder Thunderbird noch die freie Android-App K9 Mail haben jedenfalls irgendwelche Schwierigkeiten damit, die mails vom Lavabit IMAP-Server entgegenzunehmen und über den GMX SMTP-Server zu verschicken, deswegen bleibt auch meine alte Adresse im Absenderfeld stehen, ganz so wie ich es von GoogleMail kenne. Wenn ich wirklich irgendwann mal nur einen fremden Rechner habe, reicht Lavabit’s webmail zum Lesen allemal. Zum Schreiben müsste ich dann wohl die GMX-Webseite benutzen, auch das wird ja gehen, samt bcc an Lavabit für meinen “Gesendet” Ordner.

Einzig die recht praktische push-Funktion aufs Handy via IMAP IDLE habe ich noch nicht aktiviert bekommen, aber wenn das alles ist… Den ersten Tag ohne GoogleMail habe ich jedenfalls erfolgreich hinter mich gebracht. Werde ich Google’s Web-Interface vermissen? Mal sehen. Auch dafür gibt es ja Alternativen, die ich bei Gelegenheit gern mal ausprobiere.

tl;dr Ganz zum Schluss de-installiere ich die GoogleMail-App vom Android-Telefon und stelle fest: dieser erste Schritt war deutlich einfacher als erwartet.